Viele Menschen verbinden ein Trauma mit außergewöhnlichen Ereignissen wie schweren Unfällen, Naturkatastrophen oder Gewalterfahrungen. Tatsächlich können solche Erlebnisse traumatische Folgen haben. Doch auch Erfahrungen, die von außen vielleicht weniger dramatisch erscheinen, können tiefe seelische Spuren hinterlassen.
In diesem Beitrag erfahren Sie, wie ein Trauma entsteht, warum belastende Erfahrungen häufig noch Jahre später nachwirken und weshalb dies nichts mit persönlicher Schwäche zu tun hat. Außerdem erfahren Sie, wie die auflösende Hypnose Menschen dabei unterstützen kann, unverarbeitete emotionale Belastungen behutsam zu verarbeiten.
Kurz erklärt: Ob eine belastende Erfahrung tiefe Spuren hinterlässt, entscheidet sich nicht allein im Ereignis selbst. Ebenso wichtig ist, wie unser Gehirn, unser Nervensystem und unser Unterbewusstsein diese Situation verarbeiten konnten – und ob wir in diesem Moment die Unterstützung hatten, die wir gebraucht hätten. Deshalb können zwei Menschen dasselbe erleben und dennoch ganz unterschiedlich darauf reagieren.
Was ist ein Trauma?
Viele Menschen fragen sich, warum sie noch Jahre später auf bestimmte Situationen so intensiv reagieren. Vielleicht lösen Kritik, Konflikte oder bestimmte Begegnungen plötzlich starke Gefühle aus. Manche erleben Ängste, andere ziehen sich zurück oder haben das Gefühl, ständig angespannt zu sein – obwohl sie längst wissen, dass keine akute Gefahr mehr besteht.
Häufig entsteht dann der Gedanke: „Warum reagiere ich so? Eigentlich müsste ich doch längst darüber hinweg sein.“
Die Antwort liegt oft nicht in mangelnder Stärke oder fehlendem Willen. Vielmehr zeigt sie, wie unser Gehirn, unser Nervensystem und unser Unterbewusstsein versuchen, uns zu schützen.
Die Traumaforscher Gottfried Fischer und Peter Riedesser definieren ein Trauma als „ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt.“
(Fischer, G. & Riedesser, P. (2023). Lehrbuch der Psychotraumatologie. 6. Auflage. München: Ernst Reinhardt Verlag.)
Diese Definition macht deutlich, dass nicht allein das Ereignis darüber entscheidet, ob ein Trauma entsteht. Entscheidend ist vielmehr, wie ein Mensch eine Situation erlebt und ob sie in diesem Moment verarbeitet werden konnte.
Wovon hängt es ab, ob ein Trauma entsteht?
Ob ein belastendes Erlebnis zu einer Traumatisierung führt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Neben der Art und Intensität des Ereignisses spielen das Alter der betroffenen Person, ihre bisherigen Erfahrungen und die verfügbaren Bewältigungsmöglichkeiten eine wichtige Rolle.
Ebenso entscheidend ist die Frage, ob während oder nach der belastenden Situation Schutz, Sicherheit und unterstützende Bezugspersonen vorhanden waren. Gerade Kinder verfügen noch nicht über die emotionalen und neurobiologischen Möglichkeiten eines Erwachsenen. Sie sind darauf angewiesen, dass verlässliche Bezugspersonen ihnen helfen, belastende Erfahrungen zu regulieren und einzuordnen.
Bleibt diese Unterstützung aus oder geht die Belastung sogar von den Menschen aus, bei denen ein Kind eigentlich Schutz suchen sollte, kann dies die Verarbeitung erheblich erschweren.
Auch wiederholte oder über einen längeren Zeitraum andauernde Belastungen wirken häufig tiefer als ein einmaliges Ereignis. Deshalb können chronische Beschämung, emotionale Vernachlässigung, Mobbing, ständige Zurückweisung oder das Gefühl, mit den eigenen Ängsten und Gefühlen allein zu sein, das Selbstwertgefühl und das Vertrauen in sich selbst nachhaltig beeinflussen.
Heute wissen wir aus der Traumaforschung, dass belastende Erfahrungen nicht nur Erinnerungen hinterlassen. Sie können auch unser Gehirn und unser Nervensystem nachhaltig prägen.
Gerät ein Mensch in eine überwältigende Situation, schaltet der Körper in einen Schutzmodus. Das Gehirn richtet seine Aufmerksamkeit verstärkt auf mögliche Gefahren, während das Nervensystem in erhöhter Alarmbereitschaft bleibt. Andere Menschen reagieren eher mit Rückzug oder dem Gefühl, wie abgeschnitten von sich selbst zu sein.
Diese Reaktionen sind keine Schwäche und kein Zeichen dafür, dass „etwas mit einem nicht stimmt“. Im Gegenteil: Sie sind Ausdruck eines klugen Schutzsystems, das versucht hat, mit einer überfordernden Situation umzugehen.
In der Traumaforschung werden häufig die Veränderungen im Gehirn und im Nervensystem beschrieben. In der auflösenden Hypnose arbeiten wir mit dem Unterbewusstsein – also mit dem Teil unseres Erlebens, in dem emotionale Erfahrungen und ihre Bedeutung gespeichert sind. Beide Sichtweisen ergänzen sich und helfen zu verstehen, warum belastende Erfahrungen auch lange nach dem eigentlichen Ereignis noch nachwirken können.
Trauma entsteht nicht nur durch außergewöhnliche Ereignisse
Wenn von Trauma gesprochen wird, denken viele zunächst an schwere Unfälle oder Gewalterfahrungen. In meiner Praxis begegnen mir jedoch häufig Menschen, deren Belastungen durch viele kleinere, sich wiederholende Erfahrungen entstanden sind.
Dazu gehören beispielsweise:
- Mobbing oder Ausgrenzung
- wiederholte Beschämung oder starke Kritik
- emotionale Vernachlässigung
- fehlende Sicherheit oder Geborgenheit in der Kindheit
- Verluste oder Trennungen
- das Gefühl, mit den eigenen Sorgen und Gefühlen allein zu sein
- mangelnde Anerkennung oder ständige Zurückweisung
Jede einzelne Erfahrung mag für sich genommen bewältigbar erscheinen. Wiederholen sich solche Erlebnisse jedoch über einen längeren Zeitraum, können sie tiefe emotionale Spuren hinterlassen.
Oft entwickeln sich daraus unbewusst Überzeugungen wie:
- Ich bin nicht gut genug.
- Ich muss immer stark sein.
- Ich darf keine Fehler machen.
- Mit mir stimmt etwas nicht.
- Ich muss alles allein schaffen.
Diese inneren Überzeugungen entstehen nicht bewusst. Sie sind häufig der Versuch unseres Inneren, schwierige Erfahrungen zu erklären und einen Weg zu finden, mit ihnen umzugehen. Viele Menschen tragen sie über Jahre oder sogar Jahrzehnte mit sich – ohne zu wissen, woher sie ursprünglich stammen.
Wie zeigen sich unverarbeitete Belastungen?
Nicht jede belastende Erfahrung führt zu einer Traumafolgestörung. Dennoch können unverarbeitete emotionale Erfahrungen unser Leben noch viele Jahre beeinflussen – manchmal, ohne dass wir den Zusammenhang erkennen.
Vielleicht erleben Sie, dass Sie auf bestimmte Situationen deutlich stärker reagieren, als Sie es sich selbst erklären können. Eine kritische Bemerkung trifft Sie tief. Ein Konflikt löst starke Unsicherheit aus. Oder Sie fühlen sich plötzlich klein, hilflos oder angespannt, obwohl Ihr Verstand weiß, dass keine wirkliche Gefahr besteht.
Andere Menschen berichten, dass sie sich nur schwer entspannen können, ständig „auf der Hut“ sind oder immer wieder dieselben Ängste und Selbstzweifel erleben.
Oft liegt die Ursache nicht im Hier und Jetzt. Vielmehr können frühere Erfahrungen unser Erleben bis heute beeinflussen – auch dann, wenn wir uns bewusst kaum noch an sie erinnern.
Unverarbeitete emotionale Belastungen können sich ganz unterschiedlich zeigen, zum Beispiel durch:
- anhaltende innere Anspannung
- Ängste oder Panikattacken
- Selbstzweifel und ein geringes Selbstwertgefühl
- starke Selbstkritik oder Perfektionismus
- Schwierigkeiten, anderen Menschen zu vertrauen
- das Gefühl, immer funktionieren zu müssen
- emotionale Überforderung
- Rückzug oder das Vermeiden bestimmter Situationen
- körperliche Beschwerden ohne eindeutige medizinische Ursache
Viele meiner Klientinnen und Klienten sagen im Erstgespräch:
„Ich verstehe gar nicht, warum ich so reagiere.“
Genau dieses Nicht-Verstehen kann zusätzlich belasten.
Dabei gibt es häufig gute Gründe dafür, warum unser Gehirn, unser Nervensystem und unser Unterbewusstsein heute noch so reagieren. Sie versuchen nicht, Ihnen das Leben schwer zu machen – sie versuchen, Sie zu schützen.
Muss man belastende Erfahrungen in der Therapie noch einmal durchleben?
Diese Frage beschäftigt viele Menschen, bevor sie sich für therapeutische Unterstützung entscheiden.
Die Sorge, belastende Erinnerungen noch einmal vollständig erleben oder jedes Detail erzählen zu müssen, ist verständlich. Gerade Menschen, die bereits viel Belastendes erlebt haben, wünschen sich einen Weg, der behutsam ist und sich sicher anfühlt.
In meiner Praxis ist dies bei der auflösenden Hypnose in der Regel nicht erforderlich.
Im Mittelpunkt steht nicht das belastende Ereignis selbst, sondern die Gefühle und Reaktionsmuster, die daraus entstanden sind und bis heute nachwirken.
Es geht also nicht darum, möglichst viele Einzelheiten der Vergangenheit zu erinnern. Viel wichtiger ist zu verstehen, welche emotionalen Erfahrungen noch ungelöst sind und weshalb sie Ihr heutiges Erleben beeinflussen.
Viele Menschen empfinden diese Herangehensweise als entlastend. Sie erleben, dass Veränderung möglich ist, ohne das belastende Ereignis erneut vollständig durchleben zu müssen.
Wie kann die auflösende Hypnose bei der Traumaverarbeitung unterstützen?
Belastende Erfahrungen werden nicht nur als Erinnerungen gespeichert. Häufig bleiben auch Gefühle wie Angst, Hilflosigkeit, Scham, Wut oder Traurigkeit im Unterbewusstsein gebunden.
Diese unverarbeiteten Gefühle können unser Erleben über viele Jahre beeinflussen. Sie zeigen sich beispielsweise durch innere Unruhe, starke emotionale Reaktionen oder das Gefühl, ständig angespannt zu sein.
Die auflösende Hypnose ermöglicht einen behutsamen Zugang zu den emotionalen Erfahrungen, die bis heute nachwirken.
Während der hypnotischen Trance tritt der analytische Verstand etwas in den Hintergrund. Dadurch erhält das Unterbewusstsein leichter Zugang zu den emotionalen Zusammenhängen, die im Alltag häufig unbewusst bleiben.
In einem geschützten therapeutischen Rahmen können diese Gefühle Schritt für Schritt verarbeitet und neu eingeordnet werden.
Viele Menschen erleben dadurch nicht nur mehr innere Klarheit, sondern auch, dass sich ihr Nervensystem zunehmend beruhigt. Alte Schutzreaktionen verlieren nach und nach ihre Notwendigkeit, weil sie nicht länger gebraucht werden.
Die Erinnerung bleibt – doch die emotionale Belastung darf sich verändern.
Viele meiner Klientinnen und Klienten beschreiben diesen Prozess so, dass sie zwar noch wissen, was geschehen ist, sich davon jedoch nicht mehr überwältigt fühlen.
Hypnose bedeutet nicht, die Kontrolle zu verlieren
Viele Menschen kennen Hypnose vor allem aus dem Fernsehen oder von Bühnenshows. Dadurch entsteht manchmal die Sorge, während einer Hypnose die Kontrolle über sich selbst zu verlieren.
Die therapeutische Hypnose hat damit nichts gemeinsam.
Während einer Hypnosesitzung bleiben Sie jederzeit ansprechbar und nehmen bewusst wahr, was geschieht. Sie können sprechen, Fragen stellen oder die Sitzung jederzeit unterbrechen.
Sie behalten die Kontrolle – zu jedem Zeitpunkt.
Hypnose ist vielmehr ein Zustand fokussierter Aufmerksamkeit und tiefer Entspannung. Viele Menschen vergleichen ihn mit dem Gefühl, ganz in ein Buch oder einen Film einzutauchen und dabei die Welt um sich herum für einen Moment auszublenden.
Gerade dieser Zustand erleichtert den Zugang zu den emotionalen Prozessen, die für nachhaltige Veränderungen wichtig sein können.
Veränderung ist möglich
Belastende Erfahrungen gehören zu unserer Lebensgeschichte. Sie müssen jedoch nicht dauerhaft bestimmen, wie wir fühlen, denken oder handeln.
Unser Gehirn bleibt ein Leben lang lernfähig. Auch unser Nervensystem besitzt die Fähigkeit, sich zu verändern und neue Erfahrungen zu machen.
Veränderung bedeutet deshalb nicht, die Vergangenheit zu vergessen. Veränderung bedeutet, dass die Vergangenheit ihre belastende Wirkung verlieren darf.
In meiner Praxis begleite ich Menschen dabei, die Ursachen ihrer heutigen Belastungen besser zu verstehen und die damit verbundenen Gefühle behutsam zu verarbeiten.
Dabei verbinde ich die Möglichkeiten der auflösenden Hypnose mit meiner langjährigen Erfahrung als systemische Therapeutin nach dem Heilpraktikergesetz für Psychotherapie
Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte mit. Deshalb gibt es keinen festen Weg, sondern eine Begleitung, die sich an Ihren persönlichen Erfahrungen und Bedürfnissen orientiert.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Trauma entsteht nicht allein durch das Ereignis, sondern durch das individuelle Erleben und die verfügbaren Bewältigungsmöglichkeiten.
- Gehirn, Nervensystem und Unterbewusstsein können belastende Erfahrungen über viele Jahre speichern.
- Viele Reaktionen sind verständliche Schutzmechanismen – keine Zeichen persönlicher Schwäche.
- Belastende Gefühle können verarbeitet werden, ohne das Erlebte erneut vollständig durchleben zu müssen.
- Verstehen ist oft der erste Schritt zur Veränderung.
Haben Sie sich in diesem Beitrag wiedergefunden?
Vielleicht haben Sie sich an der einen oder anderen Stelle selbst erkannt oder Zusammenhänge entdeckt, die Ihnen bisher nicht bewusst waren.
Wenn Sie sich fragen, ob die auflösende Hypnose Sie auf Ihrem Weg unterstützen kann, lade ich Sie herzlich zur Kontaktaufnahme ein.
Gemeinsam schauen wir, ob ich für Sie hilfreich sein kann.
Ich freue mich darauf, Sie kennenzulernen.
Aliki Marquardt
Literatur
Fischer, G. & Riedesser, P. (2023). Lehrbuch der Psychotraumatologie. 6. Auflage. München: Ernst Reinhardt Verlag.